06. & 07. April 2015

Da im vergangenen Jahr der Gipfelerfolg vor allem für Helga zum greifen nahe war, geht es 2015 los zum zweiten Versuch, den höchsten Berg der Erde zu besteigen! Gestern stiegen die beiden guter Dinge und mit einem Berg an Gepäck in Ulm in den Zug, der sie nach Frankfurt an den Flughafen brachte. 

Mittlerweile hat sich Jürgen aus Kathmandu gemeldet. Der Flug verlief gut und sogar das gesamte Gepäck kam zuverlässig in Nepal an. Die Straßen in der Landeshauptstadt sind diesmal wie leer gefegt, keine Spur von dem sonst so quirligen Leben - es herrscht einmal mehr Generalstreik. In wie weit sich das auf eine baldige Abfahrt in Richtung Tibet auswirkt wird sich morgen zeigen. Jetzt können sich die beiden erst einmal vom Flug erholen und sich auf das sommerliche Wetter am Südrand des Himalaya einstellen.

06. April 2015

07. April 2015


08. April 2015

Der erste Tag in Kathmandu wurde naturgemäß mit dem Überprüfen der Ausrüstung bestritten. Dabei traf sich die Everest-Gruppe mit der Cho Oyu-Gruppe. Dabei gab es eine freudige Überraschung - unser Freund Tobias Bailer aus Laupheim ist hier mit von der Partie!

Der restliche Tag wurde dann in den Gassen von Thamel verbummelt. Oder, wie Jürgen schrieb: "Abenteuer geht auch einfacher: Taxifahren in Kathmandu!"





09. April 2015

Bereits um fünf Uhr (!) sind die beiden heute per Taxi zum berühmten Swayambhunath-Tempel aufgebrochen. Ausser ein paar betenden Einheimischen war noch niemand auf den Beinen.

Der Swayambhunath-Tempel befindet sich im Westen der Stadt Kathmandu und thront hoch über der eigentlichen Stadt auf einem Hügel, der über eine Treppe mit 365 Stufen erklommen werden muss. Am Fuße dieser Treppe befindet sich eine Felsplatte, auf der die Fußabdrücke Buddhas zu sehen sein sollen. Die ältesten Teile des Tempels sind etwa 2500 Jahre alt und zählen somit zu den ältesten buddhistischen Anlagen der Welt. Wegen den zahlreichen auf dem Hügel lebenden Affen wird Swayambhunath auch der "Tempel der Affen" genannt.

 

Dem Tempelberg schloss sich noch ein Besuch bei einem Ringpoche, einem buddhistischen Gelehrten oder Priester, an.

Alle Teilnehmer der Tour wurden gesegnet und bekamen einen Talisman, schließlich soll ja wirklich nichts schief gehen!

 

Am Nachmittag fanden noch die letzten Vorbereitungen für den großen Berg statt und Dominik, der Expeditionsleiter, organisierte noch hier und da ein paar Kleinigkeiten. Zu guter letzt standen alle vor einem Haufen Material das sage und schreibe 5,9 Tonnen wiegt! 

 

Eine gute nepalesische Pizza beendete den langen Tag, an dessen Ende sich die zahlreichen Gruppen in alle Winde, oder besser an alle möglichen Berge, zerstreuten.

 

Morgen geht es für Helga und Jürgen los in Richtung Tibet!

 



10. April 2015

Heute Morgen ging es um sechs Uhr los in Richtung Tibet! Nach pünktlichem Start am Hotel Himalaya ging es über die alt bekannten Rüttelpisten des Araniko Highway nach Kodari, dem Grenzübergang nach Tibet/China.

Der Bus mit der Gruppe kam um 10:30 Uhr an, der Lastwagen mit dem Gepäck leider nicht. Als dieser mit einiger Verspätung schließlich eintraf, ging das ganz normale Chaos los: alles, aber auch wirklich alles (und das waren wie gestern bereits festgestellt 5,9 Tonnen Ausrüstung!) musste von Trägerinnen und Trägern zu Fuß über die Grenze gebracht werden! Am Ende war dann tatsächlich sämtliches Gepäck in Tibet angekommen und alle konnten es sich im Hotel gemütlich machen.

Morgen geht es von der Grenzstation weiter nach Nyamla.


11. April 2015

Die heutige Weiterfahrt von Zangmuh nach Naylam verlief recht entspannt und unspektakulär. Die "Stadt" ist sehr chinesisch und entsprechend tendenziell ein wenig langweilig.


12. April 2015

Heute fand die erste kleine Akklimatisationstour bis auf eine Höhe von etwa 4400 m über Meereshöhe statt. Da der folgende Lalung Le, ein Pass mit einer Höhe von 5050 m , auf der morgigen Tagesetappe liegt, ist diese langsame Anpassung an größere Höhen für alle sehr wichtig. 

Gegen Abend setzte starker Schneefall ein! Gar nicht gut für die hochgelegene Passstrecke!

13. April 2015

Ein spannender Tag! Die ganze Nacht hatte es stark geschneit und auch am frühen Morgen machte das Wetter nicht den Eindruck, als wolle es damit aufhören. Somit war an eine Weiterfahrt in Richtung Lalung Le gar nicht zu denken. 

Im Laufe der nächsten Stunden besserte sich das Wetter zumindest ein wenig und die Gruppe bekam das Startsignal von den Fahrern. 

Nach einigen aufregenden Stunden war die Passhöhe erreicht - immer noch im Schneegestöber aber immerhin!

Am Nachmittag kam das Team gesund und munter im etwa 4370 m hoch gelegenen Tingri an. Das Wetter zeigte sich weiterhin von seiner windigen und kalten Seite.

Da derzeit jede Menge Gruppen zu den hohen Bergen unterwegs sind, gab es auch ein paar Engpässe bei den Hotels. Da die eigentlich geplante Unterkunft belegt war, wurde die Gruppe ausserhalb untergebracht. Alles kein Problem, die zehn Minuten Fußmarsch zu den Mahlzeiten geht in dieser Höhe als Trainingseinheit durch - in Deutschland würde hier wohl ein Shuttlebus verkehren...

Hier und da tauchten die ersten Kopfschmerzen und der ein oder andere Durchfall in der Gruppe auf, aber das gehört wohl immer dazu und ist normalerweise kein Problem.

Die Nepalis feierten an diesem Abend noch ausgiebig ihr Neujahrsfest, es begann für sie das Jahr 2072.

14. April 2015

 Heute war der zweite Rasttag auf dem Weg zum Basislager des Everest. Ein kurzer Ausflug auf einen östlich der Stadt gelegenen Berg mit ca. 4700 m brachte die Höhenanpassung wieder einen Schritt voran. 

Alle fieberten der Tatsache entgegen, dass morgen endlich die Weiterfahrt ins Everest Basislager ansteht.

 

Gegen Abend klarte das Wetter überraschend auf und zeigte die Riesen Cho Oyu und Everest in strahlendem Weiß am Horizont.


15. April 2015

Die Fahrt von Tingri ins Basislager des Mt Everest auf 5154 m verlief wohl ohne Probleme. Bisher habe ich nur die Daten von Dominik's Tracker, die Nachricht von Jürgen wird wohl heute im Laufe des Tages eintreffen.

16. April 2015

Dominik berichtet via Tracker, dass alle damit beschäftigt sind, das Basislager gemütlich einzurichten und das Gepäck zum Weitertransport ins vorgeschobenen Basislager (Advanced BaseCamp) vorzubereiten.


Mittlerweile ist auch die Nachricht von Helga & Jürgen angekommen. Allen geht es gut und das Basislager ist soweit fertig eingerichtet. In zwei bis drei Tagen soll es zum ersten Mal ins ABC gehen um die Höhenanpassung voran zu bringen. Bis dahin sind Faulenzen, Material sortieren und die nähere Umgebung in ausgedehnten Spaziergängen erkunden angesagt.

Zu Beginn einer Tour in solche Höhenlagen ist selbst dies mit großer Anstrengung verbunden. Immer hat man das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen und kaum legt man sich hin, wird alles nur noch schlimmer. In ein paar Tagen sollte dies (für diese Höhe) jedoch überstanden sein und es kann weiter gehen!

 

Hier ein netter Link, die die Größe des Mt. Everest verdeutlicht - auch wenn hier die Südseite gezeigt wird: "Scaling Mt. Everest"

 

 

17. April 2015

Heute stand eine kleine Akklimatisationstour bis auf 5390 m im Bereich des Basislagers auf dem Programm. Das Wetter und damit der Ausblick auf den Everest waren richtig gut!

Gleichzeitig starteten einige Sherpas mit 20 Yaks in Richtung Middlecamp, einem Zwischenlager auf dem Weg ins ABC.

Allen geht es gut und die Stimmung ist bestens!

18. April 2015

Leider brauchen die Nachrichten im Augenblick extrem lang um hier anzukommen. Gerade eben ist eine Mail von Jürgen vom 18. April eingetrudelt:

 

"Heute Nacht hat es geschneit und fünf bis 10 Zentimeter Neuschnee liegen nun im Lager. Das ist schon beinahe das Interessanteste hier. So langsam trudeln die übrigen Expeditionen ein. Bei Nachbars (Seven Summit Club) kommen die Teilnehmer erst morgen - da wird gerade noch kräftig aufgerüstet.

 

Wir -Helga, Andi, Peter und ich- haben einen Ausflug zum Kloster Rongpu unternommen. Dort liegen unterirdische Altäre und wir wurden noch einmal gesegnet. Also jetzt muss es ja klappen!

 

Euch zu Hause eine schöne Frühlingszeit!

Viele Grüße

Jürgen"

 

19. April 2015

Während das Team im Basislager eine Einweisung in die Sauerstoffgeräte bekommt (für die, die welche verwenden) bzw. eine Einweisung in das Notfall-Sauerstoffsystem erhält, versuchen die Sherpas das Zwischenlager auf dem Weg zum ABC einzurichten. Wie die Bilder von Pemba Janbu Sherpa zeigen, haben sie mit ziemlich großen Neuschneemengen zu kämpfen!

20. April 2015

Seit gestern zeigt sich das Wetter an der Nordseite des Mt. Everest von seiner allerbesten Seite! Urlaubswetter pur mit strahlendem Sonnenschein über der frisch verschneiten Landschaft. Blauer Himmel und kein Lüftchen regt sich - das ist das absolute Wunschwetter für die Gipfeltage - leider ist es noch lange nicht so weit!

Am gestrigen Sonntag gab es nach der Einweisung in die Sauerstoffgeräte noch einmal eine kleine Wanderung im Bereich des Basislagers, der heutige Ruhetag ist zur reinen Erholung gedacht. Wäsche waschen, duschen und die Wärme der Sonne genießen!

Morgen -so sieht derzeit zumindest der Plan aus- soll es zum ersten Mal weiter zum Zwischenlager gehen. Zwei Nächte dort auf etwa 5800 m tut der Höhenanpassung gut, anschließend geht es noch einmal zurück ins bisherige Basislager.

Heute Abend muss das Gepäck für den Transport mit den Yaks abgegeben und gewogen werden, damit entsprechend viele Tiere für morgen bestellt werden können. Ein Yak trägt (offiziell) 40 Kilogramm - was schlussendlich auf dem Rücken der Lasttiere landet ist wieder eine andere Sache...

Es ist ein richtig gutes Gefühl, dass es nun schön langsam weiter geht, auch wenn die letzten Tage mit Wanderungen und mit einem guten Buch in der Sonne liegen pures Urlaubsfeeling aufkommen ließen. Einfach nur warten, bis aus dem Küchenzelt wieder der "Essen fertig"-Ruf ertönt! Andererseits ist das ja nicht so ganz das Ziel der Reise!

 

 

Zum Abschluss noch einmal ein paar Zeilen von Jürgen direkt:

 

"Immer wieder möchte ich an dieser Stelle spezielle Grüße übermitteln: 

 

Liebe Ronja,

vielleicht wären so ein paar Yaks noch ein Highlight auf der Jugendfarm Ulm. Sie brauchen nicht viel und sehen schmuck aus - allerdings ist es ihnen wahrscheinlich zu warm. Bis Juni!

Viele Grüße aus Tibet!

Jürgen"

 


21. bis 23. April 2015

Heute ist die ganze Mannschaft wieder gesund und munter aus dem Zwischenlager auf 5760 m Meereshöhe zurück gekommen. Die zwei Nächte in der Höhe haben der Anpassung einen gesunden Schub gegeben - jetzt ist erst mal zwei Tage Erholung angesagt!

Der Komfort des Basislagers ist nach den drei Tagen dort oben natürlich sehr willkommen, auch wenn sich die Strapazen in Grenzen halten und eigentlich nur von der "dünnen Luft" kommen. Das Essen ist während der Akklimatisationsphase, in der man ohnehin zu sonst nichts anderem fähig ist, das zentrale Thema! Es ist jedes Mal erstaunlich, welche Mengen man verdrücken kann und trotzdem immer leichter wird. Die Höhe und die kalte Luft zehren an den Reserven des Körpers.

Kameramann Nils feierte dort oben am 22ten seinen Geburtstag, natürlich mit einem Ständchen zum Frühstück!

Da vom Zwischenlager viel Material weiter ins ABC transportiert wird, geht es hier zu wie auf einem "Yak-Bahnhof"! Die Tiere bleiben auch über Nacht in der Nähe der Zelte und sorgen mit ihren Glocken um den Hals für ein beruhigendes Gebimmel. Allgäuer Almfeeling auf 5760 m Höhe...

Jetzt folgen erst einmal zwei Erholungstage bevor es endgültig weiter ins ABC geht.


Kleiner Nachtrag: Kurz vor dem Start ins Zwischenlager wurde Alex, der Redakteur im Team, ziemlich Höhenkrank und wurde mit einer sehr niedrigen Sauerstoffsättigung in tiefere Regionen verfrachtet. Erst nur bis Tingri, nun aber doch bis Zangmu auf 2700 m, damit er sich nochmals gut erholten kann um dann in ein paar Tagen wieder zur Gruppe zu stoßen.


25. April 2015

 

Zur schnellen Beruhigung: eben gab es ein schweres Erdbeben in Tibet & Nepal! Im Basislager ist niemandem etwas passiert, alle Teammitglieder sind wohlauf! 

 

Grad kommt eine Nachricht von Jürgen rein:

 

"Hallo Christoph 
Vor 90 Minuten gab es hier ein kräftiges Erdbeben. Der Boden schwankte um ca einen halben Meter und der Tee schwappte aus den Tassen. Man musste richtige Ausfallschritte machen. 

Bei uns ist alles gut, erste Gerüchte sagen: Am North Col eine Eislawine, Sherpas wohl mit betroffen. Epizentrum nahe Kathmandu mit Zerstöungen bei 7,7 auf der Richterskala. Alles noch unklar. 
Versuche Dich auch an zurufen. 
Grüße Jürgen"

 

Link zu Spiegel online mit einem kurzen Bericht.

Für's Erste stelle ich einmal Jürgen's Nachrichten 1:1 ein. 

 

"Hallo Christoph 
Am North Col wohl doch keine Opfer. Weiter wissen wir nichts. Pembas Sohn ist bei seiner Mutter (Oma) in Kathmandu, er hat aber keinen Kontakt.

Aus dem chinesischen Internet haben wir ein paar schlimme Bilder aus Kathmandu gesehen, wie schlimm es tatsächlich ist werden wir noch erfahren. 


Jetzt schneit es kräftig und morgen wollen wir eigentlich wieder aufsteigen. Mal sehen. 


Liebe Grüße noch etwas erschrocken 
Jürgen 


P.S. Ich weiß nicht, ob ich empfangen kann. Zur Zeit kommt nichts rein."

 

Er kann wohl wirklich nichts empfangen. Auf seine erste Nachricht habe ich in zwei Mails geantwortet.

 

Laut Dominik's Nachricht soll wohl morgen wie geplant ins ABC aufgestiegen werden.

 

 

26. April 2015

In der aktuellen Nachricht schreiben Helga und Jürgen, dass nun jetzt doch erst einmal alle Beteiligten zurück ins Basislager kommen. Am Nachmittag wird ein Treffen mit dem Fixingteam (die Sherpas, die für das verlegen der Fixseile verantwortlich sind) stattfinden. Alles andere wird sich später entscheiden. Viele der Nepalis wissen noch nichts über ihre Familien bzw. wissen, dass ihre Häuser zerstört sind. Da jedoch auch die Region zwischen dem Basislager und Kathmandu stark vom Erdbeben betroffen ist, dürfte eine eventuelle Rückfahrt nach Kathmandu auch nicht einfach werden.

Die Kommunikation mit dem Basislager ist derzeit ebenfalls stark eingeschränkt. Jürgen kann zwar Nachrichten über die  t-online Adresse verschicken, jedoch nur noch über die gmx-Adresse empfangen.

 

Hinweis: Das von Eislawinen zerstörte Basislager ist das auf der Südseite des Mt. Everest NICHT das auf der Nordseite, wo sich Helga und Jürgen aufhalten!!!

 

Gerade eben (17:20 Uhr) hat sich Jürgen nochmals per Satellitenhandy gemeldet.

Er hat erzählt, dass mittlerweile das gesamte Fixing-Team abgereist ist. Sie waren bereits bis auf 8300 m Höhe und haben berichtet, dass wohl der gesamte Eisaufbau dort oben relativ instabil ist und sich stark verschoben hat.

Des weiteren war die chinesische Polizei im Lager und warnte alle Bergsteiger eindringlich derzeit an den Berg zu gehen, da dort keinerlei Unterstützung zur Verfügung stehe. 

 

Alle zum Team gehörenden Sherpas konnten mittlerweile in Erfahrung bringen, dass in ihren Familien keine Opfer zu beklagen sind. Das ist wohl die beste Nachricht des Tages! 

 

Es soll nun die nächsten sieben Tage abgewartet werden, in wie weit sich die Nachbeben fortsetzen und wie sich die gesamte Situation weiter entwickelt. Danach soll entschieden werden, ob es zurück an den Berg geht oder aber nach Hause. 

 

Die Wartezeit wollen sich Helga und Jürgen mit ein paar ausgedehnteren Wanderungen im Bereich des Basislager vertreiben. Diese "Geröllhügel" sind ja auch alle deutlich über 6000 Meter hoch. Somit können die beiden ihre Akklimatisation ein wenig voran bringen, damit sie startklar sind, falls es weiter gehen sollte. Auf alle Fälle besser, als herumsitzen!

Auch Ralf und seine Partnerin Nancy sind derzeit im Zwischenlager um sich weiter an die große Höhe zu gewöhnen.

27. April 2015

Helga und Jürgen kommen eben (kurz vor 9 Uhr unserer Zeit) von einem Ausflug im Bereich der Gletschermoränen nahe des Basislagers zurück. Dort ist von den Auswirkungen des Bebens erstaunlich wenig zu sehen. Sowohl die Eisdecke der Gletscherseen, als auch die Erdpyramiden sind noch alle intakt.

Die CTMA (Chinese Tibetian Mountaineering Association) wird heute oder morgen das weitere Vorgehen bekannt geben - erst dann kann man mehr sagen.

Gerade als Jürgen diese Nachricht tippt, erschüttert ein neues Nachbeben das Basislager! Wörtlich: "Im Moment erneutes Beben! Die Erde hat wieder kräftig gewackelt. Ich möchte nicht wissen, was in Kathmandu los ist."

Vor etwa einer Stunde (14:30 Uhr) hatte ich ein weiteres Telefongespräch mit Jürgen.

Die endgültige Entscheidung, ob der Berg nun gesperrt wird oder ob die Gruppen weiterhin aufsteigen können/dürfen, wird morgen Vormittag gefällt. Zuerst müssen die chinesischen Behörden dies genehmigen, dann sollen die Sherpas, die ja direkt von dem Unglück betroffen sind, entscheiden, ob sie weiter machen wollen oder nicht. Ohne die Unterstützung durch die Sherpas ist die Saison definitiv beendet.

Das größte Problem für die Sherpas dürfte es allerdings sein, nach Kathmandu und dann weiter in ihre Dörfer zu kommen. Viele Straßen sind schlichtweg unpassierbar. Der einzige Weg würde nach Lhasa führen und dann per Flugzeug nach Kathmandu. Ob eine Landung in Kathmandu jedoch möglich ist, kann keiner sagen. Der Flughafen ist derzeit wohl nur für Hilfsflüge geöffnet. 

Des weiteren soll laut Informationen der CTMA an die Bergsteiger im Basislager ein weiteres starkes Beben unmittelbar bevorstehen, was die Bergsteiger am Berg in extreme Gefahr bringen würde. Auch wenn dieses Szenario definitiv vorstellbar ist, weiß keiner, wie zuverlässig diese Aussage ist. Sie deckt sich zwar mit der Prognose des amerikanischen Erdbebeninstituts, dieses macht jedoch keine zeitliche Angabe, so wie es die Chinesen tun.

 

Da ich heute von zahlreichen Angehörigen und auch Medien kontaktiert wurde, möchte ich hier eines klar stellen -wohl auch in Einvernehmen mit Helga & Jürgen: Das wirkliche Drama spielt sich wo anders ab! Auch wenn es für alle Beteiligten in irgendeiner Form ärgerlich sein mag, dass sie den Berg oder gar den Gipfel nicht erreichen können - im Gegensatz zu der Katastrophe, die sich in Kathmandu und in den zahlreichen Orten im Erdbebengebiet ereignet hat, ist das ein kleines Luxusproblem!

Derzeit ist keiner der Bewohner des nördlichen (!) Basislagers in irgendeiner Art von Gefahr! 

 

Nachtrag (18:20 Uhr): Jürgen hat eben das obige telefonisch bestätigt. Die Sherpas sollen morgen offiziell beschließen, was sie tun wollen - eine Weiterführung der Tour ist aber eigentlich undenkbar.

Die Sherpas wollen dringend zurück zu ihren Familien, können jedoch nicht, weil die Straße zwischen der nepalesisch/tibetischen Grenze weiter nach Süden nicht mehr existiert. Auch eine "illegale" Einreise über den Pass hier am Basislager macht keinen Sinn, da der Weg via das Khumbu durch zahlreiche Erdrutsche so gut wie unpassierbar ist.

Wie die Teilnehmer das Land verlassen steht auch noch in den Sternen, ein Flug ab Lhasa sollte jedoch möglich sein. Das Gepäck der Teilnehmer muss jedoch in der Zwischenzeit irgendwo in Tibet verbleiben.

28. April 2015

Hier zwei direkt übernommene Nachrichten von Helga & Jürgen, gesendet heute ca 8 Uhr unserer Zeit:

"Auf der Nordseite des Mt.Everest gab es keine Verletzten oder Todesopfer!  Ich sage das ganz bewusst, da in Ulm gerade laufend Anfragen wegen Telefoninterviews eintreffen. Wir haben nichts zu berichten. 

Das große Problem liegt in Nepal. 
Von hier aus gibt es keine Verbindung zurück nach Kathmandu. Die Sherpas unserer Expedition haben zwar mittlerweile Telefonkontakt zu ihren Angehörigen und zum Glück gibt es keine Opfer, aber viele haben ihre Häuser und Wohnungen verloren und sie können nicht zurück!
Die Straße zur Grenze in Zangmu ist gesperrt, China wird ca. noch 10 Tage brauchen um die Straße zu öffnen. Von dort bis Kathmandu gibt es aber auch keine Straße, erste Bilder zeigen völlige Zerstörung. In diesem engem Tal wird es Wochen brauchen bis wieder Fahrzeuge verkehren können. 
Die Unmöglichkeit von hier nach Kathmandu zu kommen trifft die Sherpas am härtesten. 

 

Was aus uns hier wird ist völlig offen. Eine Ausreise ist nur über Lhasa möglich. Aber das sehen wir im Laufe des Tages. 
Anfragen hier her sind sinnlos. 
Das Telefonnetz ist überlastet und wie schon gesagt: hier ist alles sicher und nichts spektakulär. 
Wir berichten wieder. 
LG Jürgen"

 

 

"So, jetzt endgültig: die Expedition ist zu Ende. Wir packen zusammen. Alle Teilnehmer kehren Heim. 


Das Problem ist, wie oben beschrieben der Heimweg, für uns und die Sherpas und die gesamte Ausrüstung. Nach Kathmandu/Nepal gibt's keine Verbindung, evtl. in 10 Tagen nach Nyamla und von dort per Helikopter nach Kathmandu, das ist aber nur eine Idee von Pemba. 

Diese Wegeprobleme sind auch der Grund, warum von hier niemand zur Hilfe nach Kathmandu aufgebrochen ist. Im Nachbarcamp sind britische Soldaten, die sofort eine Hilfe mit medizinischem Personal organisieren wollten, aber es gab keine Möglichkeit nach Kathmandu zu kommen. In Tibet gibt es keine Helikopterflüge. 
Das nur dafür, dass jemand so schlau ist und diese Idee hat, wir hatten sie auch schon. 

In 2-5 Tagen werden wir die Visa für Lhasa erhalten und dann weitersehen. Bis dahin ist hier Stillhalten für alle angesagt. Dementsprechend ist die Stimmung und für unseren Expeditionsleiter Dominik Müller wird es noch schwieriger! Er wird noch mindestens 2-3 Wochen hier bleiben und versuchen die gesamte Lagerausrüstung irgendwie zu bergen. Durchhalten, Dominik! 

Während wir hier ausharren, werde ich doch noch ein paar Grüße aus fernen Länder senden. 
Einfach an die Menschen zu Hause, die an uns denken und an die wir denken. Neben all den Menschen in Nepal, die unser aller Hilfe und Mitgefühl brauchen: Leute, spenden hilft !

Jürgen"

Grüße aus fernen Ländern Nr. 2 und 3:


Gruß Nr. 2 geht an unsere Praxis: 
Dass wir so unterwegs sein können, klappt nur, weil in der Praxis unsere tollen Mitarbeiterinnen Frau Endres und Frau Gaissmaier die Stellung halten. Zusammen mit der sehr guten Vertreterin Frau Dr. Gaiser geht die Versorgung unserer Patienten weiter. 
Da wir absolut keine Ahnung haben, wann wir zurück kommen, ändert sich nichts. Wir sind stolz auf das Team zuhause!

Gruß Nr. 3 geht an Nils:
Lieber Nils,
Auch hier gibt es wieder Pommes!  Bei Deiner Mama muss ich mich entschuldigen, dass ich als Kinderarzt alle Bestrebungen für eine gesunde Ernährung mal wieder unterlaufe. Aber sie schmecken halt! 

Laut Informationen von Dominik Müller/Amical, die über den Blog von Stefan Nestler veröffentlicht wurden, steht derzeit eine mögliche Heimreise via Lhasa und Peking zur Debatte.


Da ich heute von diversen "Schlaumeiern" darauf angesprochen wurde, hier noch einmal: Sowohl Helga und Jürgen als auch eine Gruppe der britischen Armee, die im Basislager zugegen sind, kamen durchaus selbst auf die Idee medizinische Hilfe zu leisten. Nur: von ihrem derzeitigen Standort besteht keinerlei Möglichkeit irgendwo hin zu kommen (siehe oben in der ersten Nachricht vom 28. April)!

So, nun ist es offiziell: Die Saison ist auch im Norden des Himalaya-Hauptkammes beendet! Die chinesischen Behörden haben heute unter anderem den Gipfel des Mt. Everest gesperrt. Alle Gruppen müssen abreisen und sie tun dies über Lhasa und Peking. Die Formalitäten werden derzeit vorbereitet.

Mit etwas Glück und viel Geduld beim Ergattern der Visa werden die ersten neun Bergsteiger bereits morgen schon auf dem Weg nach Lhasa sein. We'll see!

30. April 2015

Laut Dominik sind seit heute 9 Bergsteiger unterwegs in Richtung Lhasa, wer diese sind, geht aus der Nachricht nicht hervor. Von Jürgen bekam ich eben diese Nachricht: "Nachdem jetzt ja viele Berge -unter ihnen auch der Mt. Everest von nördlicher Seite- offiziell gesperrt sind, befinden wir uns bereits auf dem Rückweg. Über Nepal ist dies absolut unmöglich! Deshalb über Lhasa - Chengdu - Peking - Frankfurt. Allerdings brauchen wir erst ein chinesischen Visum. Wann der Flug ist, mal sehen. Es kann dauern..."

01. Mai 2015

Dem Blog von Stefan Nestler ist heute zu entnehmen, dass nun auch mit Ralf und Nancy die beiden letzten der Gruppe im Basislager angekommen sind. Der Berg ist somit geräumt und alle sind in Sicherheit.

Wie bereits gestern berichtet, sind einige der Gruppe bereits unterwegs nach Lhasa, genaueres liegt aber derzeit noch nicht vor. Da die chinesischen Behörden nicht gerade die erklärten Fans von Satellitentelefonen sind, wird auch der Nachschub an Neuigkeiten seitens Helga und Jürgen in den nächsten Tagen wohl eher spärlich ausfallen. Dominik wird wohl noch einige Zeit in Tibet bleiben, um für die sichere Rückkehr der Sherpas zu sorgen. Die Straße über den Grenzort Kodari nach Kathmandu ist derart beschädigt, dass es Jahre dauern wird, bevor diese Verbindung wieder besteht. 

Während die chinesischen Behörden alle Berge für Besteigungen in der laufenden Saison gesperrt haben, wird in Nepal derzeit noch darüber diskutiert, ob alles weiter gehen soll, wie vor dem Beben! Da jedoch die meisten Gruppen an den großen Bergen verständlicher Weise abreisen, ist auch dort die Saison so gut wie beendet.

 

Derzeit bleibt hier von zuhause aus nur die Möglichkeit, die Menschen in den betroffenen Gebieten per Senden zu unterstützen.

 

Eben (16 Uhr) sind noch ein paar Zeilen von Helga und Jürgen angekommen: "So, jetzt sind wir tatsächlich in Lhasa angekommen! Gestern ganz in der Früh holte uns ein Bus im Everest Basislager ab und kämpfte sich bis Tingri. Von dort ging es noch einmal fünf Stunden auf relativ guter Straße weiter nach Shigatze. Hier durften wir die erste Nacht im Hotel mit Bett und Dusche genießen.  Heute morgen haben wir dann dort drei Stunden wegen den Visas auf der Polizei gewartet, sind dann jedoch erfolglos weiter nach Lhasa gefahren.  Hier scheint das jetzt besser zu klappen! 

Die Busfahrt war spannend, denn der Bus hatte eine Sondergenehmigung für schnelles Fahren und musste sich nicht an Begrenzungen halten. So sind die dann auch geheizt! 
Morgen wollen wir den Potala Palast hier in Lhasa besichtigen und mal sehen wann dann unser Flieger geht. 
Lg Jürgen"

03. Mai 2015

Kurzmeldung von Helga (heute um 02:30 Uhr): "Fliegen heute zurück und sind wahrscheinlich Montag um ca. 10.00 Uhr in Ulm. Lg Helga"

 

Während Helga & Jürgen im Augenblick (21:00 Uhr) etwas genervt in Peking fest sitzen, kommt von Dominik die Nachricht, dass am Nordcol eine große Lawine abgegangen ist! Es war also absolut richtig, die Unternehmung abzubrechen. Nicht nur aus moralischen Gründen den Sherpas gegenüber, sondern auch aus Sicherheitsaspekten!


04. Mai 2015

Das Ziel heute um 10 Uhr Vormittags in Ulm anzukommen wurde zwar "knapp verfehlt", dafür sind die beiden eben (20:30 Uhr) in Frankfurt gelandet. Sollte die Bahn kurz vor dem Streik tatsächlich einmal so etwas wie Pünktlichkeit erreichen, könnte es heute noch klappen bis Ulm zu kommen!

In Tibet sieht es derzeit so aus, dass die chinesischen Behörden den festsitzenden Sherpas einen Freiflug zurück nach Kathmandu zur Verfügung stellen wolle. Allerdings gilt bei den chinesischen Behörden die gleiche Vorsicht wie bei der Deutschen Bahn: immer erst glauben, wenn es geschafft ist - das reicht immer noch...