Mt. Everest (8848 m) - Tibet


14. Mai 2014

Von Tingri fährt man stundenlang eine Schotterpiste entlang, wobei nächstes Jahr das Ganze geteert sein soll. Unterwegs gibt es einen richtig großen Wegweiser Basecamp Cho Oyu geradeaus und Basecamp Mt. Qomolungma (Mt. Everst) links.
Am Ende eines Tales steht er dann plötzlich einfach so am Talschluß und Punkt: da ist man dann! Vorher natürlich eine Polizeikontrolle, ein "Shoppingcenter und Hotel", dann eine Zeltstadt mit Andenken, Tibeterschmuck, Restaurants und Unterkünften. Erst dann wird man zum BC weiter gelassen.
Jede Menge Chinesen fahren mit ihren Pajeros, Jeeps oder sonstigen SUV's bis zu der Zeltstadt. Sogar Kleinbusse mit Touristen kommen bis hierher. Hier ist echt was los!
Soweit für heute, wir sind gut im Basecamp angekommen. Wie es hier aussieht und wie die Planung ist, dann morgen.
Liebe Grüße von Jürgen und Helga 


P.S. Wir sind schon von Nachbars, 7summitclub.com, Alexander Abramowitsch persönlich zum Pool Billard Wettbewerb um Geld mit Startgeld und allem eingeladen worden... Wir sitzen jetzt aber erst mal ganz bescheiden in unserem kleinen Zelt und kommen erstmal an.

15. Mai 2014

Wir sind also gut im BC angekommen und haben uns erstmal eingelebt. Die 3 anderen Teilnehmer sind am 13. Mai bereits zum ABC aufgebrochen, so sind wir hier mit Pemba, unserem Sherpa und dem Koch Siri, alleine. Für den 17. Mai ist geplant, dass wir auch zum ABC aufbrechen.

Wir sind hier auf einem großen "Schwemmplatz" mit viel Platz zu den anderen Gruppen. Zum Teil haben die große Domes als Aufenthaltszelte - es ist eine richtige kleine Zeltstadt!
Eine Gruppe ist das offizielle Fixingteam, das bis 8300m alles vorbereitet hat. Leider ist der Wetterbericht in diesem Jahr richtig mies!
Für die letzte Etappe bis zum Gipfel brauchen sie zwingend niedrige Windgeschwindigkeiten. So wie es aussieht wird das jedoch erst Ende Mai der Fall sein.

Für 18. Mai ist ein sehr kleines Wetterfenster angesagt. Das soll allerdings nur etwa einen halben Tag bestehen, was natürlich hier nicht reicht. 
Pemba sagt für den Gipfel braucht man 2 bis 3 Tage. Kein kleines Fenster, sondern eine große Tür!
Am 24. und 25. Mai kann sogar Schneefall kommen...
Derzeit scheint immer die Sonne, aber oben in der Höhe tobt der Sturm! Sogar hier unten weht es auch immer wieder gehörig.

Unser Plan ist jetzt erstmal zum ABC (6400m) zu kommen. Für diese Strecke sind zwei Tage veranschlagt.

Anschließend werden wir versuchen über den 7000 m hoch gelegenen Nordcol auf 7600 m zu kommen um dort einmal zu übernachten.

Wenn Ende Mai (so gegen den 28.?!) sich eine Chance auftut, wollen wir einen Versuch wagen. Wir selber haben ein wenig gebraucht, um mit den aktuellen Verhältnissen klar zu kommen.

 

Alle hier im ABC sind mehr oder weniger stark frustriert. Im vergangenen Jahr war die erste erfolgreiche Gipfelbesteigung bereits am 13. Mai und bis über den 20. Mai hinaus war beinahe täglich ein Team am höchsten Punkt der Erde.

Wir werden sehen!
Liebe Grüße  von Jürgen und Helga

16. Mai 2014

Der heutige Rasttag im Basislager verging ganz gemütlich mit einem eindrucksvollen Ausflug zum etwa eine Stunde entfernt gelegenen Kloster Rong Pu. Die Räume sind sehr klein und spartanisch und auf Grund des hohen Alters auch sehr geschichtsträchtig. Im Aussengelände des Klosters befindet sich eine den Buddhisten sehr heilige Verbrennungsstelle.

Wenige hundert Meter vom Kloster entfernt findet man eine kleine Zeltstadt, in der man essen und übernachten kann. Hierher kommen jede Menge chinesischer Touristen mit ihren Geländewagen. Entsprechend hoch ist daher auch die Dichte der Andenkenhändler.

17. & 18. Mai 2014

Helga & Jürgen sind gut im Everest ABC angekommen. Da sie sich dort jetzt erst einmal häuslich einrichten müssen, kommen erst morgen etwas umfangreichere, neue Nachrichten. 

19. & 20. Mai 2014

Gerade haben wir mit Ralf die Wetterberichte durchgesehen und es könnte mit etwas Glück am 25. Mai ein Wetterfenster geben! Zur Zeit sind die Winde zu stark, morgen ist die Spitze angekündigt.


Hier im ABC heißt es nur Sitzen, Essen und Schlafen. Es kommen jetzt immer mehr Menschen hier hoch und entsprechend voller wird es.
Das Fixingteam muss aber noch die Gipfeletappe versichern und wenn es ein Gipfelfenster für den 25. Mai gibt, wird es wahrscheinlich auch voll da oben werden. Alle warten!

 
Aber laut Wetterbericht wird es danach wieder mehr Wind geben. Erst gegen 31. Mai oder 2. Juni könnte es nochmal eine ruhigere Phase geben, die eine Möglichkeit für einen Gipfelversuch bietet. Dann wird es mit den Yaks schwierig, weil der Weg nach unten auftaut und das Wasser steigt. Außerdem kann es mit dem Essen und dem Gas zum Kochen eng werden.

 

Also hoffen wir ein bißchen auf den 25. Mai! Mal sehen...

21. Mai 2014

Über Nacht hat sich der Wetterbericht plötzlich geändert. Für den 26. Mai steigen die Windgeschwindigkeiten wieder an und ein nächstes Fenster mit Gipfelmöglichkeit wäre erst gegen 31. Mai oder 02. Juni da. 
Das hieße noch 10 Tage auf 6400m herumhängen und Substanz abbauen! Außerdem ist unklar, ob so spät hier überhaupt noch eine Infrastruktur in Form eines Basislagers existent wäre. 

Die Option mit dem 25. Mai als Gipfeltag ist daher noch die am günstigste. Der 24. Mai käme theoretisch auch in Frage, aber einiges spricht doch gegen ihn.  Wir betonen versuchen, da optimale Bedingungen etwas anders aussehen!

Aber das Wetter können wir nicht beeinflussen, so muss man nehmen, was kommt!
Helga hat gerade gesagt, jede Entscheidung ist so gut wie die andere.. Aber egal, wir werden unser Bestes geben! Drückt uns alle Daumen! Wir melden uns.
Liebe Grüße
Helga und Jürgen

22. Mai 2014

Heute Morgen sind wir zum North Col  (7000m) aufgestiegen. Es ist richtig was los, aber wir mussten nicht Schlange stehen. Die gesamte Flanke ist sehr gut versichert. Der erste Tag ist somit gut gelaufen! 

Hier auf 7000m ist es ziemlich eng - alle wollen ja zum Gipfel! Die Zelte sind ziemlich "platzsparend"  aufgestellt. 
Als wir angekommen sind ist gerade eine Gruppe Bergsteiger, die den 24. Mai als Gipfeltag ausgewählt haben, in Richtung Lager 2 gestartet. Ich musste nur zweimal hinschauen, die starteten bereits hier in voller Montur inkl. Sauerstoffmaske! Naja, jeder wie er denkt...
Viele Grüße
Helga und Jürgen

23. Mai 2014

Jetzt sind wir auf 7600m. Das Lager ist im brüchigem Geröll und wie Treppen oder Schwalbennester übereinander gebaut. Die Zeltplätze sind eher als luftig zu bezeichnen. Dazu kam heute noch ein leichter Sturm und das Zeltaufstellen war ziemlich schwierig. 
Den Nordgrad hoch ist bis zum Felsbeginn nur mehr oder weniger steiles Schneegestapfe am Fixseil - wobei wir hier über 7000m schon ganz schön schnaufen müssen. 
Die meisten hier benutzen Flaschensauerstoff. Nur ein paar wenige Sherpas gehen bis 7900 m ohne, wie unser Pemba.  Ab 7900 m wird er Sauerstoff nehmen. Er wird auch eine Rescueflasche mit haben, aber nur für den Notfall und dann geht es auch sofort runter. So haben wir an unsere Sicherheit gedacht. Für manche Puristen mag das verpönt sein, aber wir machen es ja für uns. 
Von den Teilnehmern sind wir ohne Sauerstoff die absoluten Exoten. Aber uns geht es gut dabei. 
Viele Grüße
Helga und Jürgen

24. Mai 2014

Die Nacht von 23. auf 24. war etwas anstrengend. Erstmal bis wir unser Zelt aufgestellt hatten, war in dem steilen Gelände nicht ganz einfach. Es ging zum Teil ein sehr starker Wind und es hat geschneit.
Alle Bergsteiger, die in der Nacht mit Sauerstoff vom Lager 2 zum Gipfel wollten haben es bleiben lassen.
Heute Morgen dann Zelt abbauen und los. Von wegen!
In der Nacht habe ich schon einen blöden Husten bekommen und heute Morgen war ich kurzatmig wie ich es noch nie erlebt habe! Bis 7900m haben wir uns hoch geschleppt, ich nur einzelne Schrittchen und bei kleineren Anstrengungen hatte ich das Gefühl zu ersticken. Keine Power und gestern ging es noch so gut.
Helga blieb ganz führsorglich bei mir und alles Trinken und Essen und Powergel hat nichts geholfen.
Mittlerweile war Pemba auch bei uns und da habe ich beschlossen Abzusteigen. Keine Ahnung was ich habe, vielleicht ein beginnendes Lungenödem. Mittlerweile bin ich im ABC und es geht etwas besser, aber nicht so, dass ich dort oben mit mischen könnte...

Helga und Pemba sind jetzt wohl im Lager 3 auf 8300m, ich habe mit dem Sprechfunk keinen Kontakt bekommen. Auf 7000m habe ich kurz mit Kari Kobler gesprochen und er meint morgen wird es ganz gut.

Also alle die Daumen drücken, wenn heute Nacht gegen 1 oder 2 Uhr Pemba und Helga zum höchsten Gipfel der Welt aufbrechen!
Das ist heute Nacht nach deutscher Zeit zwischen 21.45 bis 22.45 h. Also beim Wein oder Bier oder beim Krimi ganz fest an die Helga denken!!!

Sobald ich was weiß, gibt es Neues!


Viele Grüße von einem etwas aufgeregten und gleichzeitig enttäuschten Jürgen
(siehe Bild)

25. Mai 2014

Heute Morgen 4.45h. Das Wetter scheint mitzumachen!

Gestern Abend hat es noch geschneit, zum Sonnenuntergang klarte es jedoch auf.  Ab Mitternacht war es sternenklar und es hat kaum Wind. 
Let's hope!!!

 

Seit 5.45h kann ich mit dem Zoom der Kamera im Gipfelschneefeld Bergsteiger beobachten.
Zuerst war es eine Gruppe von etwa 20 Bergsteigern, die am Gipfel oder im Aufstieg/Abstieg waren. Klare Sicht, blauer Himmel und wenig Wind, der von Südwesten kam. Das bedeutet er kommt von links und geht über den Grad weg und trifft die Bergsteiger erst in der Gipfelflanke und am Gipfel selbst.
Gegen 7.00h waren nur ein paar wenige unterwegs. Immer wieder einzelne Bergsteiger so mal 3 (!) (Helga, Pemba und Ralf?) und wieder welche. Gegen 8.45h kam nochmal eine große Gruppe mit 20-30 Leuten in einer Schlange im Aufstieg.
Seit 9.00h ist der Gipfel in einer Wolke, insgesamt bewölkter Himmel, kaum Wind, auch am Himmel.
Der Fernsehturm sollte jetzt eigentlich da oben sein, den hatte ich im Rucksack. Die Banner (beide) sind aber oben, Helga hatte die mit.
Eigentlich sieht es gut aus, mehr sobald es Neues gibt!

 

Helga ist gerade im ABC angekommen!
Sie sind heute morgen um 01.30 Uhr im Lager 3 auf 8300 m aufgebrochen. Es war sehr windig und sie hatten den Aufbruch bereits mehrfach verschoben. Wobei Lager 3 wohl absolut schwierig war - das Zelt hing völlig schief im Hang!  Auf 8500 m war es dann doch zu viel mit dem Wind und sie mussten abbrechen. 


Von hier unten sah es besser aus, als es dann doch war.  Jetzt ist es aber gut, dass Helga gesund wieder hier ist! 

 

Viele liebe Grüße

 

Jürgen und Helga 

 

Nachtrag: Auch Ralf Djumovits musste leider seinen Versuch ohne Sauerstoff abbrechen.

26. Mai 2014

Die ganze Nacht und bis heute Mittag schneit es in einem fort! Für Weihnachten wäre das ja ganz toll, aber für unseren Abstieg ist das nicht so gut. 
Morgen kommen die Yaks und bringen am 28. Mai das Gepäck zum Chinese Basecamp. Wir wollen aber schon morgen dorthin absteigen, in der Hoffung auf eine Dusche.  Ralf ist noch am Northcol, mal sehen wann er runterkommt.
Helga hadert noch mit dem gestrigen Tag! Jeder, der sie kennt, weiß, dass sie immer noch denkt, vielleicht wäre es doch gegangen... Aber es war nicht möglich! Ich habe schon einen Tag mehr um in Ruhe zu wissen: es war einfach nicht möglich. 

In den übringen Expeditionen gab es drei Bergsteiger, die ohne Flaschensauerstoff gehen wollten. Niemand hat es geschafft! 

Jetzt gibt es erste Gerüchte, dass etwa 20 Sherpas und Bergsteiger auf 8300 m sind und ihnen der Sauerstoff ausgeht. Einige Sherpas gingen heute bereits als Rescueteam hier im ABC los. Man wird sehen, was passiert.

Einen weiteren Gipfelversuch wird es nicht mehr geben, es ist eine schwierige Saison dieses Frühjahr.

Wir melden uns, wenn wir weiter unten ankommen und es Neuigkeiten gibt.


Viele Grüße
Jürgen und Helga

27. Mai 2014

Heute sind wir in zum Teil heftigen Schneefall  sieben Stunden zum Chinese Basecamp gelaufen. Es schneit jetzt seit über zwei Tagen und wir liegen recht feucht im Zelt. Mal sehen, was sich die Küche einfallen läßt! 

 

Eine Zusammenfassung von einem ebenfalls etwas frustrierten Ralf Djumovits findet sich unter: http://blogs.dw.de/abenteuersport/2014/05/27/ende-eines-everest-traums/

29. Mai 2014

Am 27. Mai wurden leider keine Yaks zum Everest ABC geschickt. Zum Glück waren bei einer anderen Gruppe noch nicht alle Teilnehmer aus den Hochlagern zurück, so dass die persönlichen Gepäckstücke im Chinese Basecamp am gleichen Tag trotz dichtem Schneetreiben ankamen. 
Ralf hatte daraufhin mit dem LO (chinesischer Verbindungsoffizier) telefoniert. Der hat tatsächlich am 28. Mai zurückgerufen: Um 13 Uhr steht ein Wagen für uns bei den Teehäuser bereit (dort wo die Händler sonst stehen). Weiter kommen die Autos nicht. 
Über Nacht war noch einmal mehr Schnee gefallen. Es lag jetzt über ein halber Meter Neuschnee.  Bis heute einschließlich konnten keine Yaks zum ABC hochschickt werden. Die Sherpas und die Zelte sind noch oben. Wir hoffen sie schaffen es bis 1. Juni nach Kathmandu! 


Mit einem kleinen Tagesgepäckrucksack kämpften wir uns über eine Stunde durch den Schnee und erreichten so den Abfahrtsplatz des Kleinbusses nach Tingri und somit zum heiß ersehnten Mittagessen!

Anschließend ging es weiter bis Zangmu. Hier waren wir in einem tollen Hotel einquartiert, in dem Helga wohl den chinesischen Rekord im "Blitzhaarewaschen" vor dem Abendessen locker pulverisierte...

Heute morgen passierten wir ohne weitere Vorkommnisse die Grenze zwischen Tibet und Nepal und wurden um die Mittagszeit von Herrn Rai im Hotel Yak & Yeti in Kathmandu begrüßt.Hier schließt sich der Kreis unserer diesjährigen Reise wieder. Kathmandu wurde bereits vom Monsun erreicht, entsprechend dampfig ist die Luft und es regnet immer wieder recht kräftig.

Morgen will uns Miss Hawley alle sprechen!? Dies ist recht ungewöhnlich, da sie normalerweise nur erfolgreiche Gipfelbesteiger zum Interview bittet.

Hier in Kathmandu gehen alle ihren noch zu erledigenden Aufgaben nach. 

Wir Danken allen Lesern für's Daumendrücken und das Interesse an unserer Tour und verabschieden uns für dieses Mal!

 

Viele liebe Grüße von Helga & Jürgen


Noch ein kleiner Nachtrag: In der guten Pizzeria in Kathmandu - "Fire and Ice"  gibt es zur Feier der Rückkehr  zwei Pizzen und zwei Salate. Wer hat was gegessen?

Eins ist sicher die beiden Nepal Ice (Biere) habe ich getrunken. Das Standardbier heißt hier eigentlich Everest...

Noch ein paar abschließende Eindrücke aus Kathmandu, wobei die Aufnahmen von der Tour 2010 stammen.

 

© Christoph Haas

Als "Lückenfüller" bis zur nächsten Nachricht von Helga & Jürgen, hier ein recht interessanter Beitrag zum Everest - mal nicht aus der Bergsteigerperspektive!

Das Titelbild bietet im übrigen einen tollen Blick auf den Makalu - weshalb der seitenverkehrt abgebildet ist, weiß ich leider nicht...